Bürgerentscheid gegen das geplante Neubaugebiet "Nützelbach II"
Die Stadt Gerolzhofen plant ein Neubaugebiet, das wie ein fremdkörperartiges, isoliertes Anhängsel, wie ein Satellit, mitten in der freien Landschaft liegt.

Zu den Aussagen, die Stellungnahmen der Fachbehörden von 2016 würden dem Baugebiet „Nützelbach II“ nicht mehr im Weg stehen:

Nach den verheerenden Stellungnahmen der Fachbehörden von 2013 holte die Stadt 2016 nochmals Stellungnahmen der Fachbehörden ein. Das Gebiet um das es 2016 in der Änderung des Flächennutzungsplans ging, war aber flächenmäßig ca. um die Hälfte reduziert worden. Daraufhin zog lediglich die Regierung von Unterfranken ihre Einschätzungen von 2013 zurück. Die anderen, von den Initiatoren des Bürgerbegehrens in ihrem Flyer zitierten Fachbehörden aber blieben sinngemäß bei ihren Meinungen.

 

Aus der Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde zur 3. Änderung des Flächennutzungsplans (8.3.2016):

„Die in der vorgelegten geänderten Planfassung vollzogenen wesentlichen Flächen-reduzierungen werden naturschutzfachlich begrüßt.

Dennoch verbleibt auch bei verkleinerter Fläche ein „Baugebietssatellit“ in der Landschaft übrig. Zur Wahrung der Identität der Landschaft im dortigen landschaftlichen Gefüge, zur Minimierung des Flächenverbrauchs und insbesondere zur Vermeidung einer baulichen Fehlentwicklung, kann diese Baugebietsneuausweisung naturschutzfachlich nach wie vor nicht positiv beurteilt werden. Es darf in diesem Zusammenhang auf die Aussagen in den bisherigen Stellungnahmen verwiesen werden.

 

Das Engagement der Stadt Gerolzhofen zur Generierung von Bauflächen im Innenbereich ist zum Beispiel mit der Ausweisung der Baugebiets „TV Platz“ sehr erfolgreich. Dies wird aus der Sicht des Naturschutzes sehr positiv gewertet, weil hierdurch die Außenbereichs-landschaft geschont wird. In Anbetracht der Tatsache, dass es in Gerolzhofen noch weitere attraktive Bereiche zur Innenentwicklung gibt, sollte das bisherige Engagement in diesem Sinne fortgeführt werden. Damit könnten dem fachlichen Anliegen des Naturschutzes, auf das Baugebiet auf dem Grundstück Fl.Nr. 3614 zu verzichten, Rechnung getragen werden.

 

Die Stadt Gerolzhofen wird gebeten, die vorstehenden Belange des Naturschutzes positiv zu würdigen und in der Planung zu berücksichtigen.“

 

Aus der Stellungnahme des Amtes für ländliche Entwicklung zur 3. Änderung des Flächennutzungsplans (10.3.2016):

„Vor dem Hintergrund eines für die Stadt Gerolzhofen für den Zeitraum 2009 bis 2029 prognostizierten Bevölkerungsrückgangs von ca. 10 % wird erneut gebeten, die Notwendigkeit bzw. zumindest die Größe der beabsichtigten Neuausweisung von Wohnbauflächen nochmals zu prüfen.“

 

Aus der Stellungnahme des Bauamtes (Technik) zur 3. Änderung des Flächennutzungsplans (7.3.2016):

Aus städtebaulicher Sicht wird die Erweiterung Richtung Süden (Fl.Nr. 3614) weiterhin nicht begrüßt. Der Planungsbereich südlich des Nützelbachs entspricht der Überschreitung einer bisher natürlichen Stadtgrenze (verbleichbar mit einer Siedlung außerhalb einer Stadtmauer).

Da die Stadtplanung diese Planungsabsicht weiterhin verfolgt, wird gebeten, die Erschließung und die Höhenlage des Nordhanges bereits jetzt zu berücksichtigen.

Der vorhandene Grüngürtel sollte nicht wesentlich durchtrennt werden.“

 

Aus der Stellungnahme des Bayerischen Bauernverbands zur 3. Änderung des Flächennutzungsplans (9.3.2016):

„Grundsätzlich steht die Landwirtschaft der Fortentwicklung der Gemeinden positiv gegenüber. Besorgniserregend ist hierbei jedoch der immer größer werdende Verlust an wertvoller Ackerfläche für den „ökologischen“ Ausgleich. (…) Auch für das hier geplante Baugebiet werden der Landwirtschaft Flächen entzogen. (…)  Der zu erwartende Rückgang der Bevölkerung und immer mehr innerörtlicher Leerstand lassen uns generell am Bedarf neuer Baugebiete zweifeln.

Weiterhin liegt der Anteil der Siedlungsfläche an Gebietsfläche in Gerolzhofen bei 14.5 %, dies sind 7,4% mehr, als der bayerische Durchschnitt. Im Vergleich zum Landkreis ist der Anteil der Siedlungsfläche an Gebietsfläche sogar um 8,5% höher.

Bevor weitere landwirtschaftliche Nutzflächen unwiederbringlich verloren gehen, ist es daher unserer Meinung nach unbedingt erforderlich, den tatsächlichen Flächenbedarf abzuklären.

Freie Bauflächen im Ort und Leerstände sind einer Neuausweisung vorzuziehen. Der Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen zur Neuausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten ist so gering wie möglich zu halten.“