Bürgerentscheid gegen das geplante Neubaugebiet "Nützelbach II"
Die Stadt Gerolzhofen plant ein Neubaugebiet, das wie ein fremdkörperartiges, isoliertes Anhängsel, wie ein Satellit, mitten in der freien Landschaft liegt.

Stellungnahmen der Behörden

Die Stadt beauftragte 2013 ein Planungsbüro, Stellungnahmen von verschiedenen Behörden bezüglich der Wohnbauflächenneuausweisung südlich der Nützelbachseen einzuholen. Im Folgenden sind Auszüge aus diesen Stellungnahmen aufgeführt:

Aus der Stellungnahme des Hochbauamtes am Landratsamt Schweinfurt zur 3. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Gerolzhofen (Oktober 2013):

Die Ausweisung einer Wohngebietsfläche südlich des Nützelbachsees ist aus städtebaulicher Sicht nicht wünschenswert. Die bisherige Situation stellt einen harmonischen Stadtrand dar. Die Lage der Wohnbaufläche ist sowohl aus topographischer, als auch aus städtebaulicher Sicht ein Solitärgebiet, das sich nicht in die bisher gut abgerundete Bebauung einfügt.

Sowohl im Hinblick auf den sparsamen Umgang mit Grund und Boden als auch auf die „Demographische Entwicklung“ wird um Überprüfung gebeten, ob eine Ausweisung hier erforderlich ist.

Im Flächennutzungsplan der Stadt Gerolzhofen sind noch – nicht mit Bebauungsplan überplante – Flächen südlich des Gebietes „Weiße Marter“ als Wohnbauflächen ausgewiesen. Eine Überplanung dieses Gebietes würde sich harmonischer in das Stadtbild einfügen. Alternativ wird vorgeschlagen, eine Teilfläche, der für die Friedhofserweiterung vorgesehenen Bereiche in Anbindung an die Baugebiete „östliche Lindenallee“ bzw. „Jahnstraße II“ in den Blick zu nehmen.

Der Grundsatz der Innenentwicklung sollte Vorrang vor der Versiegelung neuer Flächen haben.“

Aus der Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde zur 3. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Gerolzhofen (Oktober 2013):

„Aus naturschutzfachlicher Sicht kann diese Wohnbauflächenneuausweisung nicht positiv beurteilt werden. (…) nicht nachvollziehbar, weshalb die Stadt Gerolzhofen, die weitläufigen Allgemeinen Wohngebietsflächen östlich der B286 vollständig aufgibt und nunmehr in den Süden mit Wohngebietsflächen ausweicht. Es hätte doch auch die Überlegung Platz greifen können, die ausgewiesenen Flächen unter dem Gesichtspunkt des demographischen Wandels maßvoll zu reduzieren.

Die nunmehr geplante Wohnbauflächenneuausweisung im Süden überspringt den markanten Grünzug der Nützelbachaue und präsentiert sich in der dortigen Landschaft in teils sehr exponierter Lage insbesondere auch gegenüber der Weidachaue als eine Art Satellit, der wie ein fremdkörperartiges, unorganisches Anhängsel in der freien Landschaft liegt. Wegen der isolierten Lage besteht keinerlei Anschluss bzw. optischer Bezug zu einem bestehenden Baugebiet.

Aus Sicht des Naturschutzes ist es notwendig, dass die zukünftige Siedlungsentwicklung von Gerolzhofen mit der Naturausstattung, (…) der Einhaltung von landschaftlichen Proportionen sowie dem Erhalt der Maßstäblichkeit der Landschaft im Einklang steht und diese nicht verunstaltet, damit keine Ziersiedelung und keine massive Landschaftsbildbeeinträchtigung entsteht. Diese Wohnbauflächenneuausweisung ist daher aus naturschutzfachlicher Sicht als nicht landschaftsverträglich einzustufen.

Ferner ist gemäß § 1a Abs. 1+2 BauGB bei der Aufstellung von Bauleitplänen der Umweltschutz insbesondere durch

·        einen sparsamen Umgang mit Grund und Boden,

·        Ausnutzung der Möglichkeiten der Innenentwicklung mittels Wiedernutzbarmachung von Flächen sowie 

         Nachverdichtung oder Nutzung anderer Maßnahmen und

·        Begrenzung von Bodenversiegelung auf das notwendige Maß

zu würdigen.

Außerdem ist zusätzlich der demographische Wandel in der Bevölkerungsentwicklung zu berücksichtigen. (…) Die Stadt Gerolzhofen wird daher gebeten, diese Wohnflächenneuausweisung zu streichen.

Ferner werden in der vorliegenden 3. Flächennutzungsplanänderung keinerlei Flächenvorschläge zur Wohnraumentwicklung auf geeigneten Flächen im bestehenden Stadtgefüge aufgezeigt. Es wird vorgeschlagen, die Flurlage „Nähe Frankenwinheimer Straße“ zwischen der Frankenwinheimer Straße und dem Baugebiet „Weiße Marter“ in die Überlegungen für die Schaffung von Wohnbauflächen mit einzubeziehen.“



Aus der Stellungnahme der Regierung von Unterfranken zur 3. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Gerolzhofen (Oktober 2013):

„Die Ausweisung von Bauflächen soll an einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung des demographischen Wandels und seiner Folgen ausgerichtet werden; flächensparende Siedlungs- und Erschließungsformen sollen unter Berücksichtigung der ortsspezifischen Gegebenheiten angewendet werden: die in den Siedlungsgebieten vorhandenen Potenziale der Innenentwicklung sind möglichst vorrangig zu nutzen. (…) Bezüglich der Wohnbauflächen wird auf die demographische Entwicklung sowie Baulücken und mögliche Leerstände hingewiesen, die bei der Bedarfsermittlung zu berücksichtigen sind. (...) Die südliche der im Südwesten der Stadt neu dargestellte Wohnbaufläche ist nicht an geeignete Siedlungseinheiten angebunden. (…) Zu den vorhandenen Grünflächen sind Aussagen im Landschaftsentwicklungskonzept gemacht: Sie sollten in ihrer Funktion als Grünzug und als Ausgangsgebiete für den Aufbau eines regionalen Biotopverbundsystems entwickelt und gesichert werden. Ausgehend von den naturbetonten Lebensräumen wie den Teichgruppen (Nützelbachsee) sollte eine durchgehende Grünlandnutzung mit hohem Flächenanteil extensiver Nutzungsformen und naturnaher Biotope angestrebt werden. Das Erholungspotenzial dieser Räume und die gebietsweise vorhandenen klimatischen Funktionen gilt es zu sichern. Aus Gründen der Erholungsvorsorge sollte daher ein Vordringen städtischer Siedlungsflächen vermieden werden.

Gemäß Grundsatz 3.3 Abs.1 soll eine Zersiedelung der Landschaft vermieden werden. Frei- und Grünflächen sowie ökologisch bedeutsame Naturräume sollen erhalten und zusammenhängende Grünstrukturen mit Verbindung zur freien Landschaft entwickelt werden. Danach bestehen gegen die Darstellung der genannten Wohnbauflächen Bedenken.“



Aus der Stellungnahme des Bayerischen Bauernverbandes zur 3. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Gerolzhofen (Oktober 2013):

Die geplante Wohnbebauung steht im Widerspruch zur rückläufigen Bevölkerungszahl. In Zukunft ist sogar noch mit weiterem Leerstand im Inneren der Ortschaft zu rechnen. Hier muss gelten: Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung. Bevor weitere landwirtschaftliche Flächen der Wohnbebauung zum Opfer fallen, sind die bereits bestehenden Freiflächen im Innenbereich für die Bebauung heranzuziehen.



Aus der Stellungnahme des Amtes für ländliche Entwicklung Unterfranken zur 3. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Gerolzhofen (Oktober 2013):

„(…) für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung sollten die Potentiale der Innenentwicklung ausgeschöpft werden, um die Wohnqualität des Altstadtbereiches von Gerolzhofen zu erhalten und die vorhandenen Infrastruktureinrichtungen effizient zu nutzen. Die beabsichtigte Ausweisung von Wohnbauflächen am Siedlungsrand führt zu einer Verstärkung des Leerstandsrisikos im Stadtkern von Gerolzhofen. (…) Vor diesem  Hintergrund und aufgrund der demographischen Entwicklung im Landkreis Schweinfurt mit einem prognostizierten Bevölkerungsrückgang von rund 10 % wird die Stadt Gerolzhofen gebeten die Notwendigkeit der geplanten Neuausweisung der Bauflächen nochmals zu überprüfen.“