Bürgerentscheid gegen das geplante Neubaugebiet "Nützelbach II"
Die Stadt Gerolzhofen plant ein Neubaugebiet, das wie ein fremdkörperartiges, isoliertes Anhängsel, wie ein Satellit, mitten in der freien Landschaft liegt.

Gerolzhöfer Bürgerinnen und Bürger äußern sich zum geplanten Baugebiet:

 

Willi Mayer

„Das kann man drehen und wenden, wie man will, da draußen gehört das Baugebiet nicht hin.“



Irmgard Krammer

ehemalige Bürgermeisterin von Gerolzhofen

"Nützelbach II wäre eine unorganische städtebauliche Entwicklung: Lange Strecke für die Erschließung ohne Anbindung von bebaubaren Grundstücken."

 

 

Horst Gandziarowski

langjähriger Stadtrat in Gerolzhofen

"Ich bin der Meinung, wir haben innerhalb der Stadtgrenzen von Gerolzhofen noch genug Land, das zu Baugebieten umgewidmet werden kann, z.B. entlang der Frankenwinheimer Straße."

 


Peter Kern

 18 Jahre lang Stadtrat in Gerolzhofen

"Grundsätzlich bin ich für neue Wohngebiete, aber nicht um jeden Preis. "Nützelbach II" wäre eine Splittersiedlung ohne städtebaulichen Zusammenhang. Von diesem Gebiet außerhalb der Stadtgrenzen sind es 1,5 km Luftlinie zur Innenstadt. (Die Luftlinie von dort nach Schallfeld beträgt auch 1,5 km.)"

 

Thomas Vizl

Stadtrat 

 „Bereits 2006 haben wir uns grundsätzliche Gedanken zur Stadtentwicklung gemacht. Daraus entstanden letztendlich die Baugebiete Nützelbach I und TV-Platz. Bei der Änderung des Flächennutzungsplans haben wir wieder grundsätzliche Überlegungen in die Debatte eingebracht. Leider ging die Stadtratsmehrheit und Verwaltung den einfachsten Weg: Wo haben wir ein Grundstück, dort weisen wir ein Baugebiet aus. Solches Verhalten ist städtebaulich falsch und nicht zeitgemäß.“



Nicola und Ralph Theobald

Quo vadis, Gerolzhofen?

Wagen wir einen Blick in die Zukunft? Wie wird unsere Stadt in vielleicht 20 Jahren aussehen? Ein satellitenförmiges         Baugebiet im Süden oder  - wie es in einigen Köpfen schon entsteht- ein großer neuer Neubau-Ring von Nützelbach 1 bis zur Schallfelderstraße? 

Und wie wird die Innenstadt dann  aussehen? Noch mehr Leerstände in der Altstadt?

Noch mehr versiegelter, verbauter  und ungenutzter Raum? Wollen wir Gerolzhöfer das wirklich?

Es ist an der Zeit, in der Stadtentwicklung neue Wege zu denken und auch zu gehen. Dazu braucht es  engagiertes Handeln und         zukunftsgerichtete Konzepte für die Innenstadt seitens der Politik, aber auch ein Umdenken bei bauwilligen jungen Familien, auch eine Altbausanierung in unserer schönen Altstadt  ins Auge zu fassen statt dem „üblichen“ Neubau im Neubaugebiet. Mit Kreativität und Phantasie können schöne Objekte entstehen.

Es hat so viele Vorteile in der Altstadt zu wohnen! Wir wohnen sehr gern mitten drin.      

Wir danken den Initiatoren, diese Diskussion um neue Wege in der Stadtentwicklung befeuert zu haben.



Uwe Gratzky

Gerolzhofen hatte in vielen Jahrmillionen das Glück, dass sich durch die Mainaue und lange Ablagerungen ein sehr wertvoller Boden bildete, der Gerolzhofen und das Umland auch tausende von Jahren gut ernährte. Es ist sogar möglich in unserer Gegend Zuckerrüben anzubauen, was sehr selten in Deutschland ist. Alleine mit diesem Blick sollte man sehr sparsam mit Bodenversieglung und damit der unwiderruflichen Vernichtung der Lebensgrundlage zur Ernährung der Menschen umgehen. Mit der Erschließung des neuen Siedlungsgebietes geht noch mehr Leben in der Stadt verloren. So blutet der Stadtkern von Gerolzhofen immer mehr aus und das führt langfristig dazu, dass die Stadt Gerolzhofen immer uninteressanter wird.

Eine Wiederbelebung des Stadtkerns mit neuen Ideen wie in Bamberg in einem ehemaligen Industriebereich, wo sozialer Wohnungsbau und Neusiedlungen alle Bevölkerungsschichten verbindet, wie jung und alt, arm und reich, Deutsche und Neubürger sollte das Ziel jedes Stadtbaus sein! Dazu bedarf es einer fantasievollen, ideenreichen Stadtplanung und diese würde für Gerolzhofen eine Bereicherung der Lebensqualität bedeuten. So sollte der Stadtrat von Gerolzhofen das Bürgerbegehren nicht als Kritik auffassen, sondern als Chance etwas Neues, Kreatives und Ideenreiches zu entwickeln.

Dies würde für die Zukunft eine Bereicherung für ganz Gerolzhofen und deren Bürger bedeuten und könnte so auch ein Vorbild für andere Städte sein.



Benno Traber

Natur ist schnell zerstört, sie zurück zu holen ist weitaus schwieriger. Mit geschickter Planung und Weitsicht könnten diese Schäden vermieden werden. 



Mario Döpfner

Ich bin der Meinung, Gerolzhofen sollte all seine Energie für die Innenentwicklung verwenden. Gerolzhofen ist in seinem Kern eine sehr schöne Stadt mit zahlreichen schönen alten Häusern. Einige sind liebevoll hergerichtet, manche stehen leer und bieten ein trauriges Bild. Außerhalb des Gerolzhöfer Stadtkerns gibt es zahlreiche unbebaute Grundstücke, die teilweise schon seit Generationen brach liegen. Bevor ein weiteres Neubaugebiet vor den Toren der Stadt erschlossen wird, sollten die Bemühungen der Stadt vervielfacht werden, um innerhalb des Stadtkerns Bevölkerungszuwachs zu generieren. Hier gibt es auch in fränkischen Nachbargemeinden einige Kommunen, die hier vorbildlich Voran gehen. Beispielhaft sei hier nur die Hofheimer Allianz genannt.

Mitbürger, die in der Nähe des Stadtkerns wohnen, werden sich zwangsläufig mehr in der Innenstadt aufhalten. Es wird mehr Frequenz in den Geschäften geben, die Häuser und Straßen würden herausgeputzt sein. Ein gelungenes Beispiel ist hier die Entengasse. Im Ergebnis wäre Gerolzhofen belebter und attraktiver. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich dann auch wieder mehr Gastronomie in Gerolzhofen lohnen wird, was auch den Tourismus ankurbeln würde.  

Um dieses Ziel zu realisieren, darf man nicht zweigleisig fahren. Erst die Innenentwicklung mit voller Kraft und Energie vorantreiben. Wenn man dann die Lorbeeren geerntet hat, und Gerolzhofen weiterhin auf Expansionskurs ist, kann man ein weiteres Neubaugebiet ausweisen. Dieses darf dann aber auch nicht satelittenhaft wie ein Fremdkörper in der Landschaft platziert sein, sondern sollte sich städteplanerisch an einer bestehenden Bebauung orientieren.

Ich weiß, dass dieser Weg beschwerlich ist. Ich bin aber der Meinung, dass wir erst das Eine (Innenentwicklung) und dann das Andere (Neubaugebiet) tun sollten.


Kerstin Krammer-Kneissl

„Wir werden weniger, älter und bunter.

Ich bin der Meinung, dass Geo diesen demographischen Faktoren durch weitere Ausweisung großer Neubaugebiete nicht gerecht werden kann. Wir brauchen für die Zukunft vermehrt kleinere Wohnungen mit weniger Fläche, dafür ohne Autonotwendigkeit.

Unterstützt von (womöglich weitergehenden) Förderprogrammen, sollte zudem jede Gelegenheit genutzt werden, auch mehr Familien für Umbau oder Sanierung älterer Häuser zu gewinnen.“



Matthias Seng

„Wir sollten bessere Lösungen bei der Suche nach Wohnraum finden als die, noch mehr Flächen zu versiegeln und die Stadt in alle Richtungen immer weiter wuchern zu lassen. Und wenn sogar zuständige Behörden wie die Regierung von Unterfranken mit stichhaltigen Gründen nachdrücklich für „flächensparende Siedlungs- und Entwicklungsformen“ plädieren, sollten die Verantwortlichen sich dem nicht verschließen.“


 

Dr. Andreas Eckstädt

Ich möchte aus dem Bayernplan der CSU zur Bundestagwahl 2017 zitieren:

„FLÄCHENVERBRAUCH EINDÄMMEN, LANDWIRTSCHAFTLICHE PRODUKTIONSFLÄCHE SCHÜTZEN

Der Verlust von Flächen, insbesondere der Landwirtschaft, muss gebremst werden. Flächen sind knapp, und die Nachfrage nach Lebensmitteln sowie nachwachsenden Rohstoffen wächst.“

(Quelle: https://www.csu.de/programm/bayernplan/bayernplan.pdf Seite 28)



Rudolf Steinmetz

„Meiner Meinung nach wird der Stadtgürtel im Bereich der Nützelbachseen durch das geplante Baugebiet negativ beeinträchtigt!!

Dieses wertvolle  Stück gewachsener Naturlandschaft,  an Fauna und Flora, dient der täglichen Naherholung und würde durch ein angrenzendes Neubaugebiet, im ureigenen Kern und Sinn, eine starke Abwertung erfahren. Gegen Neubaugebiete darf man sich nicht verschließen, dieses Areal muss aber verwurzelt  und erdgebunden bleiben wie es immer schon war und ist.“



Julia Fugmann

„Wenn wenigstens alle beteiligten Behörden und der Stadtrat mit überwältigender Mehrheit für die Ausweisung von „Nützelbach II“ als Baugebiet gewesen wären !

So kann mich die Beschlusslage und vor allem die an den Tag gelegte Eile nicht überzeugen, weil offensichtlich der besonnenere Teil der Entscheidungsträger massive Bedenken hat.

Die Zeiten des Flächenfraßes sollten vorbei sein. Die Sterbefälle in Gerolzhofen übersteigen die Geburtenzahl seit Jahren um etwa 30 pro Jahr. Wohneigentum kann meiner Meinung nach schon bald zu moderaten Preisen in Form von frei werdenden Häusern bzw. ungenutzten Bauplätzen einer überalterten Bevölkerung erworben werden.Dagegen hilft kein Wunschdenken. Und im alten Stadtbereich wächst das Problem der leerstehenden, alten Häuser bzw. der ungenutzten Laden-Kapazitäten.

Ergeht es anderen Kleinstädten genauso oder gibt es dort Lösungen?“


 

Florian Tully

„Primär sollten Bauprojekte im Bestand gefördert werden. Weshalb hat man das Sanierungsgebiet Bgm.-Weigand-Str./ Bahnhofstr./Kolpingstr. zunichte gemacht? Obwohl ein fertiggestelltes Konzept mit vielen stadtnahen Wohnungen vorliegt, entstanden widersinnig Garagenhöfe und eine Reithalle. Man vergleiche das gelungene Ensemble "Entengasse". Sanierungskonzepte sind besser als Flächenversiegelung mit Neubauvierteln.“


 

Ulrike Hahn

"Ich möchte weder unserem Bürgermeister noch einzelnen Stadträten in Abrede stellen, dass sie sich persönlich bemüht haben, Baugrundstücke für junge Familien zu generieren. Was mir fehlt, ist der Masterplan der Stadt, um auch die Leerstände aktiv zu füllen. Wer ist offizieller Ansprechpartner der Stadt für Familien, die ein Haus oder einen Bauplatz kaufen wollen und sich für Förderungen interessieren?
Wer stellt die nötigen Kontakte mit möglichen Verkäufern her? Wie regelmäßig passiert das? Wie und wie oft spricht die Stadt mit den jeweiligen Eigentümern?
Wird dies regelmäßig schriftlich festgehalten, evaluiert und ausgewertet? Muss das der Bürgermeister zwischendurch selbst machen, wenn es gerade zeitlich passt?
Die Neubürger, die ich gesprochen habe, wurden nicht einmal über die eigenen Förderungen durch die Stadt informiert.

Außerdem sollte die Stadt überlegen, ob sie weiterhin die gleichen Lösungen wie seit 30 Jahren favorisieren will oder innovativ sein möchte und besser langfristige Strategien verfolgt.
Gerade die CSU-Fraktion macht den Eindruck, nur bis zum nächsten Baugebiet oder der nächsten Wahl zu denken. Andere Gemeinden sind da weiter. Nach Hofheim kommen sogar chinesische Delegationen, um zu sehen, wie ländliche Entwicklung gesteuert werden kann. Ich würde mir als Bürger wünschen, dass langfristige und nachhaltige Stadtentwicklung das Ziel unserer Stadträte ist. Der Eindruck aber macht sich breit, dass es nur um einfache, schnelle und vor allem zunächst lukrative Lösungen geht, nicht aber um die beste Zukunft für die Bürger unserer Stadt. Den Wunsch, jungen Familien oder Neubürgern attraktive Angebote zu machen, finde ich richtig und gut. Aber ich wünschte mir mehr Kreativität und Mut bei unserer Stadt."


 

Irmgard und Josef Fröhling

„Wir haben den Eindruck, dass hier auf die Schnelle vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen, ohne dass vorher alle negativen Auswirkungen für die Bürger (auch finanzieller Art) ausführlich dargelegt wurden. Auch wurden unserer Meinung nach noch nicht die äußersten Anstrengungen unternommen, um mit den Besitzern von Leerständen oder ungenutzten, erschlossenen Bauplätzen ins Gespräch zu kommen.

Sicher ist das auch eine Frage des gebotenen bzw. verlangten Preises.

Eine Lösung - egal wie - wäre immer noch billiger und umweltverträglicher als die vollständige Erschließung eines Neubaugebiets - schon alleine, wenn man nur an die Zufahrtsstraße denkt.

Wo sollen denn in den nächsten zwanzig Jahren in Gerolzhofen 1000 Neubürger herkommen (zumindest war diese Zahl im Gespräch)? Prognostiziertes Bevölkerungswachstum für den Landkreis Schweinfurt: 

minus 2% (in 20 Jahren). Für Gerolzhofen: bestenfalls minimales Wachstum, dann aber logischerweise noch stärkerer Rückgang im Umland. Außerdem werden sich in absehbarer Zeit auf Grund der Bevölkerungsstruktur - viel stärker als wir es bisher gewohnt waren - viele Eigentümer-bzw. Mieterwechsel ergeben, uns selbst eingeschlossen. Dieser Prozess hat bereits begonnen.

Ausschlaggebend sollten die Sachargumente sein.

Wir möchten noch auf dieses interessante, aktuelle Informationsmaterial hinweisen:

Studie der Universität Bamberg von 2018 / Prof. Dr. Marc Redepenning:

Innenentwicklung im Landkreis Haßberge (es wird bei uns kaum anders sein):

Sehr gutes Abwägen der Vor- bzw. Nachteile von Außen-/Innenentwicklung“

Diese Studie finden Sie hier zum Dowonload : 

https://www.uni-bamberg.de/geo1/vernetzung-und-transfer/projekte/innenentwicklung-im-landkreis-hassberge/


 

Claudia Heilmann

"Nach der vor einigen Jahren erfolgreich durchgeführten Renaturierung würde mit diesem neuen Baugebiet massiv in das bestehende Ökosystem des Naherholungsgebiets eingegriffen werden."


 

Daniela Balzer-Hoheisel

„Keine Gelegenheit lässt unser Bürgermeister aus, ein Loblied zu singen auf die Attraktivität unseres Städtchens, weshalb Gerolzhofen als idealer Wohnort vor allem für junge Familien gepriesen wird.

Dabei wird jedoch übersehen, dass eben diese Familien sich nicht nur mit einem breit aufgestellten kulturellen sowie ökonomischen Angebot zufrieden-geben, sondern auch die Nähe zur Natur begrüßen.

Eine Stadt braucht ein intaktes Naherholungsgebiet, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Ein durch ein Baugebiet zerschnittener Naturraum (Immerhin war bereits auch die Rede von „Nützelbach III, IV und V!!!) kann die Bedürfnisse Erholung suchender Erwachsener und im Grünen tollender Kinder freilich nicht mehr erfüllen.

Anstatt junge Familien anzulocken, hat das Baugebiet „Nützelbach II“ (genauso wie im Übrigen auch schon „Nützelbach I“!!!), das den Flächenfraß rund um Gerolzhofen weiter vorantreibt, also eher abschreckende Wirkung. Die Attraktivität unserer Stadt wird dadurch demnach mehr beschnitten als vergrößert!!!

Oder sollen diese Familien erst das Auto nehmen, um freie Natur aufzusuchen, wo sie schließlich fernab von Neubausiedlungen Ruhe finden???



Stefanie Döpfner

„Mir liegt das Naherholungsgebiet sehr am Herzen. Ich habe meine Kindheit dort verbracht. Durch das geplante Neubaugebiet und durch die geplante Zufahrtsstraße am Nützelbach entlang wird dieses, in Gerolzhofen einmalige Naherholungsgebiet, meiner Meinung nach erheblich beeinträchtigt und verändert. Es wird dann nicht mehr dasselbe sein.

Letztlich haben mich die Stellungnahmen der Behörden davon überzeugt, mich mit meinem Mann bei der Bürgerinitiative einzubringen. Wie kann es sein, dass sämtliche Fachbehörden, die sich alle mit überzeugenden Argumenten gegen dieses Baugebiet ausgesprochen haben, ignoriert werden? Nur weil die Stadt bereits im Besitz dieses Ackers ist, der mitten in der Landschaft liegt, ohne Bezug zu bestehenden Siedlungen und mit dem vermeintlich schnelles Geld zu machen ist? Seit 2013 sind diese Stellungnahmen bekannt, die Stadt hätte also mittlerweile sechs Jahre Zeit gehabt, sich ernsthaft um Alternativen zu bemühen. Das Gebiet „Nützelbach II“ ist nicht alternativlos. Es gibt immer eine Alternative. Es ist nur die Frage, welchen Weg man wählt: Den schnellen, einfachen und lukrativen oder einen komplexeren, langwierigeren, aber dafür nachhaltigeren Weg.“